Geschichte der Rebellen

Hier möchte ich kurz erzählen, wie es zu der Idee der Segelrebellen kam. Die Geschichte ist nicht traurig, sondern soll Betroffene motivieren und den Schrecken vor der Krankheit ein wenig mindern. Anfang 2010 bekam ich die erste Tumordiagnose: Germinom. „Aber keine Sorge, gut zu behandeln.“ sagten die Ärzte. Fast ein Jahr hat es gedauert, nach der Strahlentherapie wieder auf die Beine zu kommen. Und ziemlich genau zwei Jahre später: „Wir haben ein Rezidiv entdeckt.“ Noch ganz klein, aber jetzt stand Chemotherapie auf dem Plan. Chemotherapie, das bedeutete krank werden, dem Körper beim Zerfall zusehen. Allein die Krankenhausaufenthalte haben ein halbes Jahr gedauert.

Nach der Therapie

Das erste was ich danach gemacht habe: nur einen Monat nach Abschluss der Therapie bin ich Segeln gegangen. Nur jetzt wollte ich weiter, wollte auf’s Meer und kein Land mehr sehen. Drei Wochen Nordsee, Herbst 2012. Mein Körper hat das Gift gut weggesteckt, und ich hab ihm Zunder gegeben, dass er nicht nachlässt und schwach wird. Ich wollte über den Atlantik – nur um es gemacht zu haben, nur um es zu können. Das Wetter und Zeitfenster waren aber gegen uns.

Zu zweit wollten wir das Schiff von Cuxhaven an die französische Atlantikküste bringen – es ist Oktober, stürmisch und kalt. Aber es sind bis heute die schönsten Wochen meiner Seglerkarriere!
Egal wie oft ich mich übergeben musste, wie schwer mir jede Bewegung viel, wie schlecht das Wetter war und ich auch die letzten Kraftreserven angehen musste. Es war ein ganz besonderes Erlebnis, für das ich meinem Skipper bis heute unendlich dankbar bin! Er wusste nichts von meiner Krankengeschichte, denn ich wollte keine Abfuhr kassieren. Ich hatte Angst, er würde mich nicht mitnehmen, weil das Risiko und die Angst vor einem „Chemopatienten“ zu groß sei.

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Aber es hat funktioniert. Der Törn nach Calais (FR) war alles: anstrengend, wunderbar, relaxt, chaotisch, spannend usw. Am Ende war ich erledigt, hatte mir eine Erkältung eingefangen und war erschöpft. Aber viel wichtiger, ich war wieder ich, ich war wieder am Leben und ich hab es geschafft: alles, die scheiß Chemo, dass mein Knochenmark wieder frisches Blut bildet, dass ich wieder Kraft habe und nachts schlafen kann und vor allem, hab ich jeden Sturm, jedes Problem, den Wind und das Wetter geschafft und bin am Ziel angekommen. Den Tumor und das Rezidiv hab ich auch geschafft!

Die Nachwirkungen

Danach habe ich alle Versäumnisse auf der Überholspur nachgeholt: Studium zu Ende gebracht – erfolgreich! Arbeiten als Journalist und Skipper – erfolgreich! Jetzt Segelrebellen – …

Am Tag meiner letzten Examensklausur ist ein guter Freund seinem Krebs erlegen und in Frieden eingeschlafen. Er hat alles gegeben und bis zum Schluss gekämpft. Er hat nie aufgegeben, dass hat den Schmerz über seinen Verlust gemildert. Es hat mir eine wirklich wichtige Sache vor Augen geführt: es kann jeden Tag vorbei sein.

Lebe dein Leben jetzt, und nicht irgendwann

Ich möchte Segeln, so viel und so weit wie möglich. Aber anstatt alleine in einer einsamen Bucht vor Anker liegen, möchte ich die Erlebnisse mit anderen teilen. Geteiltes Glück ist doppeltes Glück sagt man so schön. Damit war im Frühjahr 2014 die Idee für Segelerebellen geboren und wenig später auch schon der Grundstein gelegt.
Im Moment ist es viel arbeit, dass alles richtig organisiert ist und jeder die nötigen Informationen schnell und einfach findet. Daneben sind rechtliche Fragen zu beachten – gut dass man Jurist ist, und das Thema Finanzierung und Sponsorensuche steht täglich auf der To-Do-Liste.
Auch wenn es manchmal aufreibend ist, jede Anfrage ist ein Motivationsschub mit riesiger Wirkung.
Segelrebellen lebt durch die Geschichten der Teilnehmer, so war es geplant und so ist es gut.

 

So traurig, so schlecht und wie verrückt es war – doch hinterher, wie süß.

Robert Browning (1812 – 1889), englischer Dichter
Marcs Blog

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